Aus der Praxis der lokalen und regenerativen Erzeugung von Wasserstoff und Nutzung im ÖPNV ...und darüber hinaus - Stadtwerke Nienburg
"Machen ist wie Wollen - nur krasser" - von der Idee zur Komplettlösung Wasserstofferzeugung und –nutzung in Nienburg
Im Frühjahr 2020 entstand aus einer ersten Idee ein ambitionierter Plan: Wie können Stadtwerke klimafreundlichere Mobilität im ländlichen Landkreis Nienburg/Weser unterstützen und dabei eine regionale Wertschöpfung erreichen?
Thomas Breer, Geschäftsführer der Stadtwerke Nienburg/Weser, erläuterte im Zukunftss[ch]nack am 7. August wie in kurzer Zeit eine beeindruckende integrierte Komplettlösung zur Produktion und Nutzung von grünem Wasserstoff projektiert, entwickelt und in Betrieb genommen wurde: H2-Nienburg, Wasserstofftankstelle und -produktion in Nienburg durch selbst erzeugte, erneuerbare Energie. Damit steht in Nienburg seit dem 1. Halbjahr 2025 ein verkehrsgünstiges Angebot für Wasserstoffbusse und Nutzfahrzeuge Dritter für die Betankung mit grünem Wasserstoff mit 350 bar zur Verfügung.
Genehmigungszeiträume gefährden Projektumsetzung
Während die Projektskizzierung, Partnersuche und Förderungszusage in vergleichsweise kurzen Zeiträumen gelingt, wird zwischenzeitlich klar: „Man braucht Stehvermögen“. Thomas Breer berichtet über die zwischenzeitliche Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetz – BimSchG, welche zusätzliche bzw. erneute Genehmigungen für Teile des Projektes bedingen und Liefertermine der Zulieferer sich aufgrund der späteren Auftragserteilung immer weiter in Richtung Ende des Förderzeitraums oder darüber hinaus zu bewegen drohen.
Mit Mut und Rückendeckung am Ziel festhalten
„Vielleicht war es hilfreich, dass ich das Projekt nicht nur mit Überzeugung und Engagement angegangen bin, sondern auch mit einer gesunden Mischung aus Naivität und Mut“, sagt Breer, „sonst fängt man womöglich gar nicht erst an“. Die Änderung des BimSchG war nicht die einzige Hürde, denn es wurde klar, dass die Integration von Kleinwindkraftanlagen zur Energieerzeugung genehmigungsrechtlich lediglich unzufriedenstellend gelöst werden könnte. Allerdings ergaben sich dadurch wieder andere Chancen, was schließlich in einer Vergrößerung der Photovoltaik-Anlage um den Faktor 4 resultierte. Mit der Rückendeckung aller Entscheider konnte das Projekt fortgesetzt werden.
Rechnet sich das?
Ein wichtiges Thema ist natürlich die wirtschaftliche Betrachtung. Zu Beginn der Einführung neuer Technologien ist klar, dass die Rechenbarkeit ohne Fördermittel nur eingeschränkt gegeben ist, insbesondere, solange fossile Energieträger nur unzureichend in ihren Umweltfolgen bepreist werden. Auf der Habenseite steht allerdings, dass die Wasserstofftechnologie keiner weiteren dezentralen Ladeinfrastruktur bedarf, da die Reichweite der Busse im ländlichen Raum ausreichend ist und durch die skalierbare Eigenerzeugung auch keine Engpässe wie möglicherweise beim HVO100 zu erwarten sind und Nebeneffekte wie bspw. die Einspeisung von überschüssigen Strom ins Netz eingeplant wurden. In den ersten Produktivphasen stellte sich auch raus, dass die H2-Verbräuche der Busse überschätzt wurden: Die Busse sind deutlich verbrauchsärmer als kalkuliert.
